„Nutzen wir die Erde richtig?“ – Friedrich Schmidt-Bleek
Friedrich Schmidt-Bleek
„Nutzen wir die Erde richtig?“
256 Seiten
Fischer-Verlag
9,95 €
ISBN: 3596172756
Klappentext:
Der hohe Ressourcenverbrauch für unseren Wohlstand führt zu großen Schwierigkeiten mit der Umwelt. Zudem besteht eine gravierende Ungleichverteilung: Derzeit kommen 80 % des Naturverbrauchs nur etwa 20 % der Menschheit zugute. Mehr als zwei Planeten Erde wären nötig, um allen Menschen einen materiellen Lebensstil zu ermöglichen, wie er heute in westlichen Ländern üblich ist.
Worum geht’s in diesem Buch?
Der Autor beschreibt es selbst als „Vision“. Vor dem ja nun mittlerweile hinreichend bekannten Hintergrund der Tatsache, daß wir so wie jetzt nicht ewig weitermachen können, ist ihm klargeworden, daß unsere Art des Umweltschutzes und der Ressourcenverschwendung falsch ist. Und seine Vision scheint darin zu bestehen, alles zu rationalisieren. Abläufe effizienter zu gestalten. Materialströme – oder „Stoffströme“, wie er es nennt – so weit als möglich herunterzufahren, kurz: aus weniger mehr zu machen. Dabei scheinen ihm Dienstleistungen eine Schlüssellösung zu sein (beispielsweise wenn sich nicht jeder ein Auto und jeder einen Rasenmäher kauft, sondern mehrere Familien sich welche teilen bzw. jemanden mit dem Rasenmähen und dem Autofahren beauftragen, was nebenbei noch Arbeitsplätze schaffen soll). Und die Herstellungskosten für die Autos und die Rasenmäher sollte man so weit wie möglich reduzieren. Dabei geht es nicht um Geld, sondern es wird alles in Rohstoffen, also dem Material, das aus der Natur benötigt wird, gerechnet. Und wenn man vor Alternativen steht, sollte man diejenige mit dem leichtesten „ökologischen Rucksack“ auswählen – der ökologische Rucksack bezeichnet das Gesamtgewicht eines Gegenstands, wenn man das Gewicht der zu seiner Herstellung und Transport benötigten Naturstoffe dazuaddiert. So wiegt beispielsweise ein normaler PC mehrere Tonnen, und Gold ist wesentlich schwerer als alles andere, weil zu seiner Gewinnung ein immenser Aufwand notwendig ist.
Schmidt-Bleek sagt auch, daß wir, nur durch Rationalisierungen und intelligentes Auswählen von Dingen mit leichtem ökologischen Rucksack etc. unseren Energieverbrauch um den Faktor 10 reduzieren können, ohne dabei an Lebensstandard einzubüßen. Und wenn man einen Gegenstand kauft, dann kauft man nur den Nutzen des Gegenstands, der Besitz selbst ist einem nicht so wichtig, und deshalb ist es eben auch logischer, wenn die Menschen technische Geräte gemeinsam nutzen und sich nicht jeder eins kauft.
Es scheint ein sehr praktisch orientiertes Buch zu sein, es werden viele konkrete Vorschläge zur Verbesserung gemacht.
Nun frage ich mich aber: wie kann das funktionieren? Wir wissen doch heute schon all das und könnten es anders machen, tun es aber nicht. Menschen sind meiner Meinung nach so, daß sie erst etwas ändern, wenn es absolut gar nicht mehr anders geht – und hinzu kommt, daß Menschen grundsätzlich die kurzfristige, bequeme Lösung derjenigen vorziehen, die langfristig wohl besser wäre, aber kurz- oder gar mittelfristig Entbehrungen mit sich brächte, egal wie klein diese sind. Das merke ich doch schon hier bei mir zuhause. Dies wird der zweite Winter, in dem unser Haus nicht beheizt wird – denn es geht ja auch noch anders, ohne die große Summe (d.h. die Entbehrung) aufbringen zu müssen, um Öl zum Heizen zu kaufen. Stattdessen müssen wir wieder einmal die Heizlüfter und elektrischen Heizkörper anstellen, um nicht zu frieren; und dafür wird dann irgendwann eine dicke Rechnung über den hohen Stromverbrauch ins Haus flattern, aber das ist ja erst später, irgendwann eben, nicht jetzt in diesem Moment, in dem es einfach bequemer ist, das Geld erst einmal zu behalten und für was anderes auszugeben und das kleine Knöpfchen an der Heizung, die hier schon steht, zu drücken. Dann braucht man auch den Ölmann nicht anrufen, einen Termin machen, umständlich einen Tag freinehmen und auf ihn warten und das ganze Brimborium. So, und ich halte uns für durchschnittlich genug (auch wenn das mit dem Heizen ganz sicher schon ein Extrembeispiel ist), um dieses Verhaltensmuster auch auf die meisten anderen Menschen übertragen zu können. Und wozu sich ein Auto mit anderen teilen, wenn man das eigene doch schon so schön vor der Tür stehen hat? Das wird die große Masse einfach nicht tun, es sei denn, sie würde dazu gezwungen, beispielsweise durch die Benzinpreise. Beispielsweise einfach dadurch, daß man für jedes Produkt nicht mehr nur den bisherigen Preis, sondern noch den für den ökologischen Rucksack obendrauf zahlen muss. Dann würde genauso viel Energie reingehen, wie man weder herausbekommt. Bloß ist es nicht so einfach, denn man kann das ökologischer-Rucksack-Geld ja nicht einfach dazu verwenden, die Erdölvorräte wieder aufzufüllen oder die Kohle wieder in die Bergwerke zu zaubern.
Erschreckend (und so typisch) fand ich, irgendwie drängt sich eine Analogie zu unserem Heizbeispiel wieder auf, ein Fall von Kurzsichtigkeit im Bereich Kohle. Die gegrabenen Stollen, aus denen man die Kohle herausgeschleppt hat, sorgen für Instabilität in der betroffenen Region und hätten dort schon längst Seen entstehen lassen, denn sie laufen mit Wasser voll. Und das Wasser muss man deshalb abpumpen, schließlich möchten die Leute dort nicht plötzlich in einem Teich aufwachen. Nun schreibt Herr Bleek, daß das Abpumpen des Wassers nicht nur viel Energie verbraucht, sondern daß die dafür benötigte Energie schon bald diejenige übersteigt, die einst aus der Kohle gewonnen wurde. Irgendwie gruselig. Aber so denken wir Menschen nun mal.
Interessant fand ich auch den Gedanken, daß Recycling und unser Umweltschutz falsch sind, da sie einfach bloß mehr Energie verbrauchen. Wichtig ist demnach nicht das, was rauskommt und wieder verwendet wird, sondern bereits das, was reingeht. Eben das Beschränken der Stoffströme, das scheint Herrn Bleeks Vision zu sein, ist die richtige Lösung. Das scheint ja auch soweit logisch zu sein. Aber er sagt auch, daß es dann egal sei, welche Art Rohstoffe man nehme, wenn man sie nur auf ein genau auszurechnendes Maß beschränke, und davon halte ich nicht viel. Natürlich weiß ich es nicht, aber mein Gefühl sagt mir, daß wir schon zu weit gegangen sind und deshalb nicht erneuerbare Energiequellen in Ruhe lassen sollten, weil wir sonst möglicherweise irgendwann gar keine mehr haben. Die nicht erneuerbaren Energiequellen sehe ich immer quasi als „Anlasser“, um Technologien entwickeln zu können, die regenerative Energien nutzen – und das können wir, und darauf sollten wir uns auch konzentrieren. Ebenso denke ich natürlich auch, daß wir unseren Energieverbrauch einschränken müssen. Vielleicht wird das ja auch einmal wieder anders, beispielsweise wenn wir effizientere Formen wie Kernfusion oder irgendwelche Antimaterie-Geschichten nutzen können, oder wer weiß, was da noch kommt – aber momentan läuft es doch so wie in „Jurassic Park“ : alle Anlagen laufen mit Notstrom, der sich nach und nach aufbraucht und irgendwann alle ist, wenn wir es nicht rechtzeitig schaffen, das Hauptaggregat anzuschalten. Bloß haben wir es wohl noch nicht mal gefunden.
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