Archiv für Januar 2008|Monatliche Archivseite
„Dinosaurierjäger“ – Deborah Cadbury
Deborah Cadbury
„Dinosaurierjäger“
447 Seiten
Rowohlt Verlag
ca. 3 € (gebraucht)
ISBN: 978-3498009243
Klappentext:
Im Jahre 1812 entdeckt die dreizehnjährige Mary Anning in Lyme Regis an der Südküste Englands das Skelett eines „Ungeheuers“. Ihr Fund, der später als Ichthyosaurus bekannt wird, setzt einen dramatischen Wettlauf um die Erforschung der „Zeit vor der Sintflut“ in Gang, der nicht nur Karrieren begründet und zerstört, sondern eine neue Wissenschaft hervorbringt und das herrschende Weltbild von Grund auf ändert.
Die Entdecker der Dinosaurier konnten unterschiedlicher kaum sein, das Gleiche galt für ihre Interessen. Reverend William Buckland zum Beispiel, höchst exzentrischer Naturforscher in Oxford, setzt alles daran, die fossilen Funde in Einklang mit der biblischen Geschichte zu bringen, bisweilen auf Kosten der Wahrheit. Gideon Mantell, Sohn eines Schuhmachers und Landarzt in Sussex, entdeckt die versunkene Welt der Riesenechsen zu Lande und kämpft einen lebenslangen Kampf um die Anerkennung seiner wegweisenden Theorien — am Ende vergeblich. Den Weltruhm für die Entdeckung der Dinosaurier erntet sein Kontrahent, der ebenso brillante wie intrigante Anatom Richard Owen.
Mary Anning, William Buckland, Gideon Mantell und selbst Richard Owen fielen in der Folgezeit weitgehend der Vergessenheit anheim, und mit ihnen die abenteuerliche und dennoch authentische Geschichte von der Entdeckung der Dinosaurier. Deborah Cadbury ist ihr nachgegangen und lässt in diesem Buch vor unseren Augen das Gemälde einer Zeit zwischen biblischer Tradition und naturwissenschaftlicher Aufklärung entstehen, in der Wissenschaftler mit unvorstellbar schlichten Mitteln Entdeckungen machten, die bis heute gültig sind und uns bewegen.
Deborah Cadburys „Dinosaurierjäger“ erzählt, wie die Dinosaurier für uns Menschen zu Dinosauriern wurden.
Daraus ist eine wunderbare und sehr flüssig zu lesende Geschichte geworden. Beginnend beim ersten Knochenfund endet es leider viel zu früh und beschränkt sich tatsächlich nur auf die Anfänge der Suche. Sobald geklärt ist, womit man es bei den ganzen versteinerten Viechern zu tun hat, hört das Buch auf – da bleibt nur das Hoffen auf eine Fortsetzung.
Nichtsdestotrotz: unterhaltender kann man dieses Thema kaum rüberbringen. Das Buch steckt voller biographischer Details über die „Jäger“, ebenso voller Anekdoten, die die Hauptdarsteller beinah zu Romanfiguren machen, mit denen man mitfiebern oder auch mal ihren Konkurrenten den Erfolg wünschen kann, je nachdem. Beispiele: Reverend Bucklands kulinarische Reise durch so ziemlich das gesamte Tierreich (angeblich hat ihm nur der gemeine Maulwurf absolut nicht geschmeckt) oder Richard Owens Eskapade mit dem Kopf des schwarzen Seemannes, den er für seine anatomischen Studien aus dem Leichenschauhaus hat mitgehen lassen.
Über Dinosaurier selbst erfährt man allerdings kaum etwas, schließlich hat das Buch auch so bereits 450 Seiten. Wenn einen das Thema interessiert (was ja anzunehmen ist, wenn man ein solches Buch wie „Dinosaurierjäger“ lesen möchte), sollte man sich unbedingt noch ein Buch mit Details über Dino-Arten bereitlegen. Diese Informationen fehlen einem beim Lesen bisweilen und gehen nur so weit, wie sie auch den „Jägern“ bereits bekannt sind.
Fazit: Ein sehr lesenwertes Buch zu diesem Teil der Wissenschaftsgeschichte.
Kommentar schreiben